Kooperation Regina House Foundation / frauenOase

Mit dem Ziel, unseren ungarischen Besucherinnen eine Perspektive für die Rückkehr zu vermitteln, haben wir uns für ein Projekt des Erweiterungsfonds des Eidgenössischen Amtes für Auswärtige Angelegenheiten EDA beworben. 

Das Vorhaben bezweckt den Informationsaustausch mit der Regina Foundation im ungarischen Gödöllö.

Im März 2012 gab das EDA grünes Licht: nach einer ersten Kontaktaufnahme reisten Mitarbeiterinnen der frauenOase nach Gödöllö, um die Situation vor Ort kennen zu lernen. Gödöllö liegt etwa 30 km nordöstlich von Budapest und hat ca. 30'000 Einwohner.

 

 

Bericht Elfie Walter

Das Projekt:

reginaUnser Ungarnprojekt war anfänglich mehr oder weniger ein „Zufallsprodukt“, zweier Organisationen, die sich für Frauen einsetzen, allerdings ist die Zielgruppe sehr unterschiedlich. Beim Regina House treffen sich hauptsächlich Mütter, so wie bei uns in einem Familientreffpunkt. Wir von der frauenOase kümmern uns um Prostituierte, die unter anderem vermehrt aus Ungarn einreisen. Trotz der Unterschiede der Klientel hat sich das Projekt gelohnt. Beim "Retour-Besuch" unserer ungarischen Kolleginnen konnten wir mit ihnen Institutionen in Basel besuchen, die sie in Ungarn adaptieren können: z.B. Makly (ein Eltern/Kind-Zentrum), das Zentrum Selbsthilfe oder das Frauenhaus. Wir wiederum haben viel über das gesellschaftliche und politische Leben in Ungarn erfahren.regina1

Wir besuchten auch eine Organisation namens "Nevtelen Utak". Diese kümmert sich um ungarische Prostituierte, die nach Ungarn zurückkehren möchten, aber Schutz brauchen. Diese Vernetzung ist ein ganz konkretes Resultat der guten und engagierten Zusammenarbeit mit Regina House. Diese Institution war genau das, was wir suchten! Wir hoffen, dass sich daraus eine gute Zusammenarbeit ergibt. Die „Erfolge“ werden kaum riesig sein. Wenn wir aber einer Frau zur Rückkehr ohne Angst verhelfen können, dann hat es sich bereits gelohnt. Denn obwohl sich Reginahouse ja bisher nicht um Prostituierte gekümmert hat, sind sie nun sehr hellhörig geworden, was diese Problematik angeht.

So denke ich, wird unser gemeinsamer Weg auch über das Projektende im August weitergehen.

Wir sind gespannt, was er uns noch so bringt!

 

Bericht Beatrice Buess

Unser Besuch in Ungarn

holdam2Müttertreff Holdam in Miskolc: In diesem Müttertreff haben wir vor allem Frauen angetroffen, die sich gegenseitig organisieren, um sich bei der Kindererziehung und Berufsausübung zu unterstützen. Die Frauen hier sind zum grossen Teil gut ausgebildet und informiert. Ihre Kinder besuchen mehrheitlich die Rudolf Steiner Schulen. Romastämmige Frauen treffen wir hier keine.

Frauenhaus in Miskolc: Wir waren von dieser Einrichtung sehr beeindruckt. Das Frauenhaus in Miskolc hat einen christlichen Hintergrund und wird in kleinem Umfang vom Staat unterstützt. Wie eigentlich überall in den Frauenhäusern in Ungarn werden nur Frauen mit Kindern aufgenommen. Drei bis vier Mitarbeiterinnen kümmern sich hier regelmässig um die Besucherinnen und ihre Kinder. Das Frauenhaus wird von einer holländischen Organisation unterstützt.

Müttertreff Szarvas: DieserMüttertreff wurde in Eigenintiative von den Frauen in's Leben gerufen. Die Frauen hier sind sehr offen und reden frei über Verwandte, die der Prostitution nachgehen. Hier treffen wir auch romastämmige Frauen an. Im Gegensatz zu den anderen Organisationen, die wir besucht haben, helfen hier auch die Männer mit.romatreff2

Die Frauen kochen, basteln und feiern hier zusammen und sie bringen sich gegenseitig Lesen und Schreiben bei.

Nach unserer Rückkehr haben wir erfahren, dass dieser Treffpunkt schliessen muss, da das Roma Parlament (eine der letzten staatsunabhängigen Dreh- und Angelpunkte der Kultur- und Kunstszene der Roma in Ungarn) keine finanzielle Unterstützung mehr leisten will oder kann.

 

Bericht Anna Wehrle

Besuch der Mitarbeiterinnen von Regina Foundation in Basel

Im Januar 2013 konnten wir unsere ungarischen Kolleginnen in Basel willkommen heissen. Auf dem Programm standen der Besuch diverser Basler Institutionen: das Makly, ein Quartiertreffpunkt mit dem Schwerpunkt Eltern-Kind, das Basler Frauenhaus und Aliena, eine Beratungsstelle für Prostituierte. In der frauenOase fanden jeweils unsere gemeinsamen Sitzungen statt. Die genannten Institutionen hatten sich sehr gut auf diesen Besuch vorbereitet, was den Ungarinnen – und auch uns erneut 

– einen umfassenden Eindruck vermitteln konnte. Bei unseren Besucherinnen hinterliess dieser Besuch eine eher nachdenkliche Stimmung – nachdenklich im Bezug auf die aktuelle Situation in Ungarn. Sie waren sehr beeindruckt über die grosse Anzahl sozialer Institutionen in Basel, insbesondere im frauenspezifischen Bereich. Doch auch wir von der frauenOase durften wieder einmal feststellen, dass wir uns hier, im Vergleich zu Ungarn, keinesfalls beklagen können. Ein für alle Beteiligten interessanter und aufschlussreicher Besuch.

 

Bericht Alice Müller

Unser Fazit und das weitere Vorgehen

briefUnser Partnerprojekt und andere Frauenorganisationen arbeiten in Ungarn grösstenteils unbezahlt, aber hochmotiviert am Aufbau funktionierender Unterstützung für die Frauen. Sie haben für uns eine Datenbank mit Adressen und Anlaufstellen in Ungarn erstellt, an die wir Frauen verweisen können. Zur direkten Kontaktaufnahme haben wir in der frauenOase eine Skype-Verbindung eingerichtet.

Dennoch müssen wir trotz der verringerten Einkommensmöglichkeiten für Sexarbeiterinnen in der Schweiz davon ausgehen, dass (Roma-) Frauen aus Ungarn immer wieder hier ihr Glück versuchen. Dies resultiert aus der Tatsache, dass Roma in Ungarn keinerlei Chancen auf Arbeitsstellen haben und unter zum Teil katastrophalen Bedingungen hausen müssen. Für uns bedeutet das, dass wir uns hinsichtlich unseres Auftrags der Gesundheitsprävention aktiv mit dieser Tatsache auseinandersetzen müssen.frauenhaus

Deshalb bieten wir einmal im Monat in Zusammenarbeit mit der Aidshilfe beider Basel einen kostenlosen HIV- und Syphilis-Test an. Ebenso können Frauen bei Bedarf bei uns einen kostenlosen Hepatits-C-Test durch Mitarbeiterinnen des Zentrums für Sucht machen lassen. Beide Massnahmen werden unter Anwesenheit unserer ungarischen Dolmetscherin angeboten.

Wir machen Rundgänge im Sexarbeiterquartier, sprechen mit den Frauen und informieren sie über unsere Gesundheitsangebote. Die Visitenkarte der frauenOase wird nun auch in ungarischer Sprache von uns und von der Community Police des Clarapostens verteilt.

Nicht zuletzt stehen wir auch im Austausch mit Flora Dora in Zürich, die sich mit ihrem IRIS-Projekt ebenfalls mit der Situation von ungarischen Strassenprostituierten in ungarischen Städten und Zürich beschäftigt.